Wort zum Geleit

„Gott spricht: 
Ich will dem Durstigen geben
von der Quelle des lebendigen Wassers
umsonst.“ 
(Offb. 21,6)

Liebe Gemeindeglieder, 

einige Tage sind wir nun bereits wieder unterwegs im Jahr 2018. Wieviel wirklich Neues mag das Jahr bisher für Sie gebracht haben? Gelten die neuen Vorsätze des Jahreswechsels noch – sollten Sie sich solche gesetzt haben – oder sind sie längst zermahlen worden im unablässig ratternden Räderwerk des Alltags? Neue Vorhaben umzusetzen, kostet uns oft eine Menge Energie und schließlich auch Ausdauer. Manchmal neigen wir dazu, uns mehr vorzunehmen, als wir umzusetzen vermögen. Selbst aber, wenn es gelungen sein sollte, das ein oder andere umzustellen – in unserem Wesen bleiben wir dennoch die gleichen Menschen: Strebsam und nachlässig, fröhlich und niedergeschlagen, warmherzig und distanziert. Mag sein, dass wir manche Eigenschaften stärker entwickelt haben als andere – angelegt aber sind sie in uns allen. Und noch etwas ist in uns angelegt: Die Sehnsucht nach Geborgenheit und Angenommen-Sein, nach Freiheit und Glück, nach Liebe und gelingendem Leben – kurz die Sehnsucht nach Heil. Ganz unterschiedlich versuchen wir diese Sehnsucht zu stillen: Durch die Suche nach dem einen Menschen, der uns im Leben begleitet, durch das Schaffen eines gemütlichen Heimes, durch schöne Reisen zu außergewöhnlichen Zielen. Ungestillte Sehnsucht hat dann oft eine innere Leere im Gepäck und die Gefahr der Sucht. Enttäuschungen werden bekämpft mit Rauschmitteln, verpasstes Glück ersetzt durch künstlich erzeugtes Glücksgefühl. 

Mit unserer Jahreslosung werden wir von Gott angesprochen, unserer Suche nach Heil eine andere Richtung zu geben. Er lädt uns ein in die Begegnung mit sich. Lebendiges Wasser bietet Gott uns an – und wir verstehen mit diesem Bild, dass es dabei um nichts Geringeres geht, als um das Leben – so, wie es ursprünglich von Gott gemeint war – ohne Tränen, ohne Leid, ohne Kampfgeschrei und ohne Schmerz, ja selbst ohne den Tod.

Das Textumfeld im 21. Kapitel der Offenbarung spricht davon. Was uns ängstigt und quält gehört in unsere jetzige Welt, die geprägt ist von Gottesferne und Schuld. Das Schöne, das wir erleben und wahrnehmen dürfen, zeigt uns noch etwas von den Spuren Gottes, doch genauer gesehen entdecken wir eben auch so viel Unwirtliches und Lebensfeindliches rings um uns – und auch in uns. Gottes Verheißung spricht von Erneuerung – und davon, dass diese bereits geschehen sei. Im gleichen Vers, in dem wir unsere Jahreslosung finden, finden wir auch die Worte: „Es ist geschehen.“ die sich aufs Engste verbinden mit Jesu Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“ Die Erneuerung unserer Welt beginnt demnach dort, wo wir alle Dinge unseres Lebens mit Gott in Verbindung sehen und uns selbst durch Jesu unschuldiges Leiden und Sterben mit Gott versöhnt wissen. 

Wir haben dazu nichts tun müssen. Wir erhalten diese Versöhnung umsonst. Nur das Eine müssen wir: Bereit sein, sie uns schenken zu lassen.  

Dann wird für uns alles neu: Ein Weg, vor dem wir Angst hatten wird zu einem Weg in der Begleitung Gottes. Ein Mensch, der uns in seinem Wesen völlig fremd ist, wird zu einer ebenfalls von Gott geliebten Person. Die Zukunft, die uns Sorgen bereitet, wird zu einem vor uns liegenden Feld voller Möglichkeiten.

Ohne den Gottesbezug kann es geschehen, dass wir der schönsten Dinge unseres Lebens überdrüssig werden, dass sie uns wie Brackwasser nicht mehr schmecken und wir immer wieder unbefriedigt auf der Suche nach Neuem bleiben. Leben wir aber versöhnt mit Gott und spüren seine lebendige Quelle in uns, geleitet uns eine Freude und Lebendigkeit, die uns niemand nehmen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein Jahr 2018 voller gestilltem Lebensdurst.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie 

 

 

Ihr Pfarrer Steffen Brock