Wort zum Geleit

„Die gepflanzt sind im Hause des HERRN,
werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen.
Und wenn sie auch alt werden,
werden sie dennoch blühen,
fruchtbar und frisch sein,
dass sie verkündigen,
wie der HERR es recht macht;
er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.“
(Ps 92,14-16)

Liebe Gemeindeglieder,

wenn die Sommersonne so richtig Fahrt aufnimmt, muss man nicht selten zur Gießkanne greifen, damit die Pflanzen im Garten nicht auf dem Trockenen sitzen. Wie schnell lassen die voller Begeisterung gepflanzten Tomatensetzlinge die Köpfe hängen, weil sie unter der sengenden Hitze austrocknen. Ohne den richtigen Boden, die richtigen Nährstoffe und ohne ausreichend Wasser und Licht ist die Ernte aussichtslos.Und dabei können wir uns über einen ausreichenden Wasservorrat kaum beklagen. Im Juli durfte ich zwei Wochen in Israel verbringen. Einem trockenen Land, in dem Wasser für das Überleben der Menschen viel stärker im Bewusstsein ist. Mitten imisraelischen Hochsommer ohne Regentage lernt man den Wert einer frischen Wasserquelle ganz neu zu schätzen.Diese Trockenheit muss der Dichter von Psalm 92 vor Augen gehabt haben. Doch er singt eigentlich gar nicht über die Sommersonne und die austrocknenden Pflanzen im Garten. Er singt über Menschen; genauer, über all diejenigen, die sich versammeln und Gemeinschaft mit Gott ihrem Schöpfer suchen. Er singt über die Gläubigen. Er singt über uns. Wie ein Baum Zugang zu einer Wasserquelle braucht, so brauchen wir Zugang zu Gott, um in unserem Glaubensleben nicht öde zu werden. Alles entscheidet sich daran, wo wir Wurzeln schlagen. Suchen wir die Nährstoffe für unser Leben aus eigener Kraft? Graben wir nach Wasser, wo keines zu finden ist? Oder sind wir eingepflanzt, wo unser Glaube mit allem versorgt wird, was er braucht: Im Hause des HERRN?Mit diesen Zeilen möchte ich mich auch von Ihnen allen verabschieden. Mein Vikariat neigt sich rasch einem Ende zu und meine Familie und ich werden Dresden verlassen. Hinter uns liegen zwei erfahrungsreiche Jahre, in denen wir Sie ein Stück auf Ihrem Weg als Kirchspiel begleiten durften. Neben vielen Momenten der Blüte gab es auch immer wieder Durststrecken in unserem Dienst. Doch egal, wie trocken der Boden auch sein mochte, wir durften immer wieder erleben, wie Gott uns durch sein Wort ernährt. Im Lesen, im Gebet, im Singen und im Austausch konnten unsere Wurzeln stets an das lebensspendende Wasser der Liebe und Gnade Gottes gelangen. Und wir haben versucht, nichts anderes als diese Liebe und Gnade Gottes in seinem Sohn Jesus Christus vielfältig zu bezeugen.In diesem Sinne blicken wir dankbar zurück und gespannt nach vorn. Egal, wo unser Weg uns hinführen mag, wir bleiben gepflanzt im Hause des Herrn. Und das möchten wir Ihnen allen persönlich und als Kirchspiel noch einmal mit auf Ihren Weg geben. Suchen Sie Gottes frisches Wasser allein in seinem lebendigen Wort! Graben Sie Ihre Wurzeln tief in seine Gegenwart ein! Erleben Sie, wie Sie grünen und trotz Alter und Mattheit blühen, fruchtbar und frisch werden! Und stimmen Sie ein in Gottes Lobpreis: „Er ist mein Fels und kein Unrecht ist an ihm.“

Dafür wünschen wir Ihnen allen von Herzen Gottes Segen.

 

Andreas-Christian und Babette Heidel