Wort zum Geleit

Ich sah die Arbeit, 
die Gott den Menschen gegeben hat, 
dass sie sich damit plagen. 
Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, 
auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; 
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk,
das Gott tut, weder Anfang noch Ende. 
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein 
und sich gütlich tun in seinem Leben. 
Denn ein Mensch, der da isst und trinkt 
und hat guten Mut bei all seinem Mühen, 
das ist eine Gabe Gottes.
(Prediger 3,10-13)

Liebe Gemeindeglieder,

was mag der Prediger wohl damit meinen, wenn er sagt, dass Gott den Menschen „Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ hat?! Meint er damit die menschliche Sehnsucht nach einem Leben ohne Begrenzung? Oder ist es die Fähigkeit des Menschen, über seine Lebenszeit hinaus zu denken – danach zu fragen, woher er kommt und wohin er geht?

Ende November feiern wir den „Ewigkeitssonntag“, der im Volksmund Totensonntag genannt wird. Wir gedenken der Verstorbenen, ganz besonders derer, die im vergangenen Kirchenjahr „heimgegangen“ sind. Und damit drücken wir eine zentrale Hoffnung des christlichen Glaubens aus, nämlich dass der Tod nicht das Ende unseres Daseins ist, sondern der Übergang in eine völlig andere Seinsweise. Diese Hoffnung erscheint den meisten Zeitgenossen total abwegig und absurd. Und trotzdem ist die Sehnsucht nach Ewigkeit auch bei vielen von ihnen vorhanden. Manche Naturwissenschaftler träumen davon, das menschliche Leben mit Hilfe von pharmazeutischen Mitteln oder durch Gentechnik unendlich zu verlängern. Informatiker streben an, das Gehirn eines Menschen mit allen Gedanken zu simulieren und sein Bewusstsein „hochzuladen“. Damit wäre Ewigkeit zu erlangen. Wie auch immer – es scheint in der Tat so, als sei Ewigkeit in unser Herz gelegt.

Als Titelbild habe ich eine steinerne Spirale gewählt, die ein altes Symbol für die Unendlichkeit ist. Aus dem Zentrum heraus entwickelt sich die Spirale immer weiter ins Unendliche. An ihr setzen Strahlen an, die ebenfalls in endlose Weite streben. Ein wenig erinnert das an unser Kirchspiel-Logo mit dem spiralförmigen Strahlenkranz. Durch das Auge im Zentrum schauen wir in den Himmel. Dort fällt das Sonnenlicht aus den Weiten des Kosmos ein. – Für mich ist das ein schönes Bild. Unsere Hoffnung auf die Ewigkeit wird bestärkt durch die Worte und Taten von Jesus Christus. Damit können wir schon einen bescheidenen Blick in die neue Welt Gottes werfen.

Wir werden keinem Skeptiker beweisen können, dass es ein ewiges Dasein bei Gott gibt. Und er wird uns nicht beweisen können, dass nach dem Tod das absolute Nichts kommt. Hier steht Glaube gegen Überzeugung. Doch unser Glaube lässt uns sehr gelassen auf die Begrenzung unseres Lebens blicken. Wir genießen unser Leben und haben dabei guten Mut – so wie es der Prediger sagt. Denn das Beste steht noch aus.

Für alle Zweifler hat der tief gläubige Mathematiker Blaise Pascal die sogenannte Pascal’sche Wette formuliert: „Wenn ich glaube, dass es Gott gibt, und es gibt ihn nicht, dann habe ich hoffnungsvoll gelebt und nichts Entscheidendes verloren. Wenn ich davon ausgehe, dass es Gott nicht gibt, und es gibt ihn tatsächlich nicht, dann habe ich nichts falsch gemacht. Wenn ich davon ausgehe, dass es Gott nicht gibt, er aber existiert, habe ich einen großen Fehler begangen. Und glaube ich, dass es Gott gibt, und es gibt ihn wirklich, dann habe ich alles gewonnen. Also lohnt es sich zu glauben, dass es Gott gibt und dass er uns ewiges Dasein schenken wird.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Hoffnung auf ein Dasein bei Gott festhalten können und grüße Sie herzlich,

 

Pfarrer Thomas Böttrich