Wort zum Geleit

friedensklima“ – so heißt das Thema der Friedensdekade 2019, wie sie die ökumenische Christenheit in diesem Jahr begeht, 

liebe Gemeindeglieder unseres Kirchspiels – und bereits die Schreibweise macht deutlich: das aktuell viel diskutierte Thema des Klimas soll einen weiteren und eigenen Akzent erhalten. Bei all den Diskussionen um Erderwärmung und Klima-Killer scheint die Öffentlichkeit in der Gefahr zu sein, thematisch zu verengen. Doch es gibt eben auch  andere lebenswichtige Themen, wie den Welthunger, die Frage nach der gerechten Verteilung der Güter und eben die Friedensfrage – und offensichtlich hängt alles miteinander zusammen.

Dabei ist uns klar: Auch eine vorgespielte „Atmosphäre gegenseitigen Verständnisses“ – wie wir das Friedensklima durchaus verstehen können, trägt ebenso wenig zum Frieden bei, wie offene Konfrontation. Ein gutes Friedensklima wünschen wir uns für unsere Welt und unseren Staat, aber auch für unser Kirchspiel, unsere Gemeinde und für unsere Familie und deren unmittelbares Umfeld.

Dabei spüren wir bereits in den engsten Beziehungen, dass es manchmal viel Hingabe, Geduld und Selbstüberwindung kostet, so ein Klima des Vertrauens zu schaffen. An welchen Stellen nehmen wir uns zurück – an welchen Stellen fordern wir die Umsetzung unseres Standpunktes ein – und mit welcher Vehemenz: das sind immer wieder Fragen von Menschen, die „dem Frieden nachjagen“– wie es uns unsere Jahreslosung mit den Worten von Psalm 34,15 ans Herz legt. Für ein Wachsen zum Frieden brauchen wir Menschen also immer wieder Einfühlungsvermögen auf den anderen Menschen und Fingerspitzengefühl für brisante Themen. Genau darum erscheint mir die erneute Aufmerksamkeit auf die Friedensproblematik sehr wichtig. Mit Blick auf die politische Weltlage habe ich den Eindruck, dass in bedeutenden Ländern der Erde bei den führenden Politikern solches Feingefühl abhanden gekommen ist. Das Gefühl, in einem friedlichen Weltklima zu leben, schwindet. Der Blick auf den Vorrang der eigenen Nation sowie narzistische Machtgebärden verunsichern. Die Konsequenzen, wie das Aufkündigen des INF-Vertrages, der den Verzicht auf bestimmte Mittelstreckenraketen beinhaltete, verängstigen. Das Friedensgebet, das immer wichtig gewesen ist, erscheint mir daher wieder intensiver nötig. Doch auch für den Frieden in unserem Land und in unserer Kirche hat das Friedensgebet seine Wichtigkeit. Der Unmut über scheinbare Unzulänglichkeiten von “denen da oben“ ist allenthalben spürbar. Doch kennen wir die Zusammenhänge? Würden wir es wirklich besser hinkriegen?

„Suche den Frieden und jage ihm nach“ – das heißt für mich zuerst: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“ (Rö 12,18). Leider entdecke ich immer wieder, dass auch manche christlichen Strömungen sehr schnell zu harter Konfrontation und Radikalität neigen.

„Friedensklima“, darunter verstehe ich freundliches Auftreten, aufmerksames Zuhören, Akzeptanz des Gegenübers – auch bei kontroverser Meinung, dafür aber Klarheit in der eigenen Position und die gemeinsame Suche nach dem, was verbindet. Ebenso sind Verlässlichkeit und Echtheit – also Authentizität wichtige Parameter, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu erreichen. Wahrhaftiges Friedensklima ist also nicht unbedingt spannungsfrei, aber es legt den Akzent nicht auf die Spannungen sondern auf das Miteinander. Zu einem gesunden Klima des Friedens gehören demnach Wahrheit und Wahrhaftigkeit und ein unbedingter Versöhnungswille.

Mit diesen Voraussetzungen schaffen wir keine Einheitsmeinung, vielmehr aber die notwendige Achtung vor dem anderen Menschen, die Voraussetzung für echten Frieden ist. Auf diese Weise Frieden zu wirken, dazu hilft mir, Jesu Leben und seine Lehre immer wieder neu zu verinnerlichen und soweit es mir möglich ist, zu leben und umzusetzen. Das Gebet für den Frieden und ein Klima des Friedens gehören hier dazu. So laden wir ein zum gemeinsamen Gottesdienst zur Friedensdekade am Sonntag, dem 17. November.

 

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Steffen Brock