Wort zum Geleit

„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, 
auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; 
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk,
das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“

(Prediger 3,11)

Liebe Gemeindeglieder,

der Monatsspruch für September lädt uns ein, innezuhalten und aufs Neue die Schönheit all dessen, was uns umgibt wahrzunehmen und zu bestaunen. Die Schönheiten des Spätsommers sind uns unmittelbar vor Augen. Vielleicht sind die einen oder anderen noch unterwegs im Urlaub, sind beeindruckt von schroffen Gipfeln oder staunen, wie sich die kleine Bergblume hält – mitten im losen Gestein. Oder sie atmen die Weite des Meeres und verfolgen die Verformungen lichter Wolken. Vielleicht genießen wir auch die ersten frischen Trauben des Jahres oder tun uns gut an anderen Köstlichkeiten, die Gott wachsen ließ – auch so viele Jahre nach seiner ersten Schöpfung. Denn davon bin ich überzeugt, liebe Gemeindeglieder unseres Kirchspiels, dass Gott nicht nur dem Kosmos seinen ersten Lebensimpuls gegeben hat, sondern bis heute permanent wirkt in seiner Schöpfung. „Zu seiner Zeit“… – in dreifacher Richtung können wir diese drei Worte verstehen. Einmal eben so, wie es uns die Verfasser des ersten Schöpfungsberichtes mehrfach zu verstehen geben: „… und siehe es war sehr gut.“ Bei allen Diskussionen um die Möglichkeiten Gottes und die Unmöglichkeiten der biblischen Berichterstattung bleibt es dabei, dass wir in einer Welt leben dürfen, in der alle Lebensvoraussetzungen da sind. Hinter all dem, was uns zum Leben dient, dürfen wir das liebevolle Wirken unseres Gottes entdecken und glauben. Und bei allen Verbesserungsversuchen, deren Nebeneffekte einzudämmen uns Menschen unheimliche Anstrengungen und manchmal auch Opfer kosten, bleibt es dabei: Keiner hat bisher eine bessere Welt geschaffen. Oder wie Gottfried Wilhelm Leibniz bekannte: „Unsere Welt ist die beste aller möglichen Welten.“ Alles war gut „zu seiner Zeit“ – zur Zeit der Schöpfung. 

Die zweite Richtung greift die Zeit, nämlich die„Lebenszeit“ der Geschöpfe auf. 

Eine Sache ist schön, solange sie nicht überholungsbedürftig ist. Mit einer besseren Idee ist ihre Zeit vorbei. In dieser Erkenntnis steckt ein Stück Wehmut über die Vergänglichkeit irdischer Schönheit und irdischen Lebens, wie sie im Spätsommer am Verlauf des Jahres beginnt deutlich zu werden. Dem gegenüber steht die Aussage, dass Gott dem Menschen „die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“ hat. Bei allem Wissen um Vergänglichkeit – und auch um die Vergänglichkeit unseres eigenen Lebens wohnt die Sehnsucht nach Bleibendem in uns und erfährt ihre Antwort in Gottes Zusagen vom neuen Leben, das er wirken will. Hier entdecke ich die dritte Bedeutung der Aussage: „Zu seiner Zeit“. Ordne ich die Zeit ein in Gottes Ewigkeit, verstehe ich sie als geschenkte Zeit in der Gegenwart des lebendigen Gottes. Wenn ich in den Dingen um mich her Gott selbst entdecke, wie er sich in seiner Liebe eingebracht hat, gewinnen sie noch einmal eine ganz neue Schönheit. Das Geheimnis einer anderen, heilvollen göttlichen Sphäre berührt alles um mich her und so sehr ich es liebe, den Dingen auf den Grund zu gehen, möchte ich mich doch auch an dem Schleier des Geheimnisvollen erfreuen. Gut, dass nicht alles kalt zu berechnen geht. Sogar wenn Experten die  biochemischen Prozesse, die im Menschen ablaufen,  nachbilden können, bleibt das beseelte Leben selbst doch ein Geheimnis. Gut, wenn man den Früchten der Schöpfung etwas abschmeckt von Sonne und Reife und Regen und Wind. Gut, wenn wir hinter allen Dingen etwas entdecken von Gottes Liebe zu uns Menschen, der uns in die Zeit rief, uns hier begleitet und in der Ewigkeit erwartet. Auf unser Sehnen nach Bleibendem antwortet der Wochenspruch des Monats August:

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ (1. Joh 4,16)

 

In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie 

 

 

Ihr Pfarrer Steffen Brock