Wort zum Geleit

Th. Böttrich (Weihnachtskrippe aus den
Schlesischen Beskiden, Republik Polen)

Und der Engel sprach zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt
und in einer Krippe liegen.
(Lukas 2,10f.)

Liebe Gemeindeglieder,

es dauert nicht mehr lange, dann wird in vielen Familien eine Weihnachtskrippe aufgestellt – mit gedrechselten oder geschnitzten Figuren, Figuren aus Ton, auf einer Pyramide oder im Stall. Die Legende sagt, dass Franziskus von Assisi diese Tradition begründet habe.

Ich stelle die Figuren mit der Geburt Christi erst am Heiligen Abend auf. Denn bis dahin feiere ich die Adventszeit als Zeit der Erwartung und Vorfreude, die dann am Heiligen Abend und den beiden Christtagen ihre Erfüllung finden. Die Weihnachtszeit reicht noch weit bis ins neue Jahr hinein. Von diesem Jahr an wird das in unserer Kirche neu geregelt sein: die Weihnachtszeit endet dann immer offiziell am 2. Februar, zu Lichtmess. Danach wird der gesamte Weihnachtsschmuck wieder weggeräumt.

Doch warum stellen wir überhaupt Weihnachtskrippen auf? Ist das nur ein schönes Brauchtum? Ruft es Kindheitserinnerungen in uns wach? Was berührt uns, wenn wir Maria, Josef und das Kind in der Krippe betrachten?

Seit dem Mittelalter haben Menschen Krippenfiguren angefertigt und aufgestellt, um es sich deutlich vor Augen zu führen: Gott ist kein ferner und unnahbarer Gott. Er kommt in mein Leben. Ich bin in seine Geschichte mit den Menschen mit hineinverwickelt. Er kommt als Mensch, als Kind. Er will meinem Leben Orientierung und Halt geben. Er will heil machen, was bei mir kaputt gegangen ist.

Und deshalb haben Menschen in den verschiedensten Ländern der Erde die Geburt Jesu Christi mit Weihnachtskrippen aus ihrem ganz konkreten Alltag dargestellt. Hirten und Könige treten in der Kleidung der jeweiligen Zeit auf. Auf Bildern tragen sie die Gesichtszüge von bekannten Zeitgenossen. In Afrika sind die Krippenfiguren Afrikaner, in Europa Europäer. Der Stall sieht manchmal aus wie ein Palast, manchmal wie das Wohnhaus armer Leute. Und das bedeutet: Jesus, der Retter, kommt zu allen Menschen guten Willens, ganz gleich aus welchem Land, aus welcher Gesellschaftsschicht sie stammen.

Wenn in der DDR-Zeit Weihnachten von staatlicher Seite als „Fest des Friedens“ bezeichnet wurde, dann war das gar nicht so falsch. Da hatten die Funktionäre einen ganz wesentlichen Aspekt dieses Festes begriffen. Gott macht sich in Jesus Christus klein und ohnmächtig. Machtansprüchen und Gewalt setzt er Liebe und Frieden entgegen. So kommt neue Hoffnung in die Welt. – Vielleicht sollten wir darüber alle nachdenken, wenn wir in der Weihnachtszeit unsere Krippen betrachten.

Im Gemeindezentrum der Philippus-Kirchgemeinde in Gorbitz wird es übrigens in der Advents- und Weihnachtszeit eine Ausstellung mit Bildern ganz verschiedener Krippen von Gemeindegliedern geben.

Dass in der Adventszeit Ihre Vorfreude auf Weihnachten wächst und Sie dann ein fröhliches Christfest feiern, wünscht Ihnen Ihr

 

 

Pfarrer Thomas Böttrich

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und lass dir’s wohlgefallen.
Paul Gerhardt (1653)