Wort zum Geleit

© epd-bild/Monika Rohlmann

Monatsspruch Februar:
"Ihr seid teuer erkauft
werdet nicht der Menschen Knechte.“

(1. Korinther 7,23)

 

Zur Würde eines Menschen gehört die Freiheit. Autonomie ist ein wesentliches Merkmal westlicher Kultur: unabhängig von anderen sein, über sich selbst bestimmen können (bis in den Tod hinein). Diese Würde besaß in der Antike nicht jeder Mensch: dem freien Menschen stand der Knecht gegenüber – der Sklave, der einem anderen gehörte und dessen Wille über ihn bestimmte. 

Dieses antike Gesellschaftsbild verbirgt sich hinter dem Monatsspruch. Auf den ersten Blick scheint es uns fremd zu sein. Auf den zweiten Blick fallen mir Menschen heute ein: „Paket-Sklaven“; Menschen, die mehrere Arbeitsverhältnisse aneinanderreihen, um über die Runden zu kommen; Leiharbeiter; …  und nicht zuletzt frage ich mich: Wie oft richte ich mich nach den Meinungen anderer, versuche Erwartungen zu erfüllen und definiere ich mich über Leistung? Freiheit? In der Gemeinde in Korinth war die Freiheit in Gefahr: Auf Petrus sollen sie hören, sagen die einen. Nein – auf Paulus, auf Apollos, sagen andere. Götzenopferfleisch zu essen geht gar nicht – „Doch!“ sagen andere. Die einen plädieren für die Ehe, andere für die Ehelosigkeit, … 

In diese Situation hinein schreibt Paulus „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“ Er sagt den Satz im Zusammenhang von Berufung. Ein Wort, das wir kaum verwenden. Dabei drückt das Wort etwas sehr Schönes aus: Wer seine Berufung gefunden hat, ist am richtigen Platz. Mit Leib und Seele ist er in seinem Beruf oder Hobby. Wer seine Berufung gefunden hat, lässt dafür anderes und unabhängig davon, was andere denken und sagen und wie schwer es ist, leben er und sie, was ihnen wichtig ist. Berufung ist Bindung und Freiheit zugleich. Als Christen sind wir gerufen, unser Leben allein an Christus zu binden. Ihm sind wir so wertvoll, kostbar, dass er sein Leben für uns hingab. Die Bindung an ihn macht uns frei von menschlichen Maßstäben. Als Christen stehen wir wie die Korinther vor der Frage: Wovon mache ich mich abhängig? Wer darf in mein Leben hineinreden? Was führt mich in die Enge und was in die Weite und Freiheit der Kinder Gottes? Weil ich Christus gehöre, darf – ja soll ich meine Berufung leben.

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen von Herzen Gottes Segen!

 

 

Ihre Pfrn. Bettina Klose