Wort zum Geleit

Danket dem HERRN; 
denn er ist freundlich, 
und seine Güte währet ewiglich.”
Psalm 106,1

Liebe Gemeindeglieder,

von Mahatma Gandhi wird Folgendes berichtet: Als er zum ersten Mal Natal in Südafrika besuchte, ging er in ein Restaurant zweiter Klasse und bestellte ein Mittagessen. Danach bezahlte er die Rechnung und sagte zu dem Kellner: „Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Bedienung.“ „Sir“, antwortete der Kellner ganz überwältigt, „ich werde Sie nie vergessen. In meinen 25 Dienstjahren habe ich noch nie ein Dankeswort gehört.“

Ganz klar, die Gäste fühlten sich nicht zum Dank verpflichtet, weil sie den Kellner für seine Dienstleistung bezahlten. Andererseits – wie wenig reicht aus, um einen anderen Menschen aufzubauen und glücklich zu machen. Was früher ganz selbstverständlich zum höflichen Umgang miteinander gehörte, das scheint in unserer Gesellschaft allmählich verloren zu gehen. Alles wird als selbstverständlich hingenommen …

Im September feiern wir das Erntedankfest. Und zu dieser Gelegenheit sollten wir uns fragen, wie wir es selbst mit der Dankbarkeit halten und ob wir nicht auch allzu vieles als selbstverständlich nehmen?! Weil es uns so gut geht, weil sich in der Regel auch die Armen in unserem Land satt essen können, hält sich die Dankbarkeit bei vielen von uns in Grenzen.

Unsere hohen Ansprüche, dass alle Lebensmittel in großer Auswahl immer und überall in ausreichender Menge verfügbar sein müssen, führen zu einer massenhaften Vernichtung von Lebensmitteln. Denn es muss mehr produziert und gelagert werden, als gebraucht wird. Allein in Deutschland kommen jedes Jahr 11 Mio t Lebensmittel auf den Müll – bei der Erzeugung, im Handel und auch bei uns zu Hause. Diese Menge ist gigantisch. Diese 11 Mio t können wir uns nicht vorstellen. Wir müssen uns das anschaulich machen. Wenn man 11 Mio t Lebensmittel in Sattelzüge laden würde, ergäbe das eine Lkw-Karawane (Stoßstange an Stoßstange) von Amsterdam bis Krasnojarsk. Das ist eine Stadt in Sibirien, 4.000 km östlich von Moskau. Diese Strecke quer durch Europa und Asien beträgt 6.600 km. Ein Lkw würde fast 5 Tage brauchen, um diese Strecke nonstop zurückzulegen. Die LebensmittelVerschwendung ist nicht nur ein ethisches Problem. Zur Herstellung dieser enormen Menge von Lebensmitteln werden auch andere Ressourcen benötigt, z.B. Wasser und Energie.

Wenn wir Gott dankbar für seine Güte sind, mit der er uns beschenkt, dann schließt das auch die Verpflichtung ein, achtsam mit seinen Gaben umzugehen. Dass es uns allen besser gelingt, verantwortungsvoll zu leben, wünscht

 

 

Pfarrer Dr. Böttrich

Schön ist es, Herr, dir unsern Dank zu bringen / und deinem Namen, Höchster, zu lobsingen. / 
Denn was da lebt, das lebt an allen Enden / aus deinen Händen.
Nichts kommt von selbst und kann sich selbst erhalten, / nicht unser Dasein, unser Tun und Walten, / 
nicht Saat und Ernte, Sommer nicht und Winter: / Du stehst dahinter.
Die Erde könnte, Herr, für jedes Leben / genug zu essen und zu trinken geben, / 
wenn wir das täglich Brot gerechter teilten / und Armut heilten.
Erweck uns Satten, die wir alles haben, / nach deinem Wort und deinen Gnadengaben / 
den neuen Hunger, der die Welt verwandelt / und menschlich handelt.

Detlev Block (1978)