Wort zum Geleit

Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.

Monatsspruch April aus 1. Korinther 15,20

Liebe Gemeindeglieder im Kirchspiel,

nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie und einem kalten Winter mit viel Schnee sehnen wir uns wahrscheinlich alle nach der Wärme des Frühlings, nach Ausflügen in die erblühende Natur, nach berechtigter Hoffnung …

Das Osterfest, das als ältestes christliches Fest bereits im 2. Jh. zu der Zeit des jüdischen Pessachfestes gefeiert wurde, verband sich in unseren Breiten mit den jahreszeitlichen Erscheinungen des Frühlings. Unsere heidnischen Vorfahren hatten in dieser Zeit Feste für ihre Fruchtbarkeitsgötter gefeiert. Nach der christlichen Mission wurden die Symbole der Fruchtbarkeit – das Ei und der Hase – zu Zeichen des Lebens umgedeutet. In manchen Kirchgemeinden werden auf den Friedhöfen am Ostermorgen Auferstehungsandachten gefeiert. Während der Ostermorgen heraufzieht, erklingen Auferstehungslieder – meist gespielt vom Posaunenchor. Wir Christen erinnern uns dabei an die Auferstehung von Jesus Christus am Ostermorgen und beziehen daraus die Hoffnung, dass auch wir nicht im Tod bleiben werden. Der Apostel Paulus schreibt von dieser Hoffnung mit großer Überzeugungskraft an die Gemeinde in Korinth: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.“ Wir glauben, dass das Geschehen am Ostermorgen in Jerusalem nicht singulär war, sondern dass wir so wie Jesus vom Tod in ein neues Dasein geführt werden.

Von vielen Mitmenschen wird der Osterglaube belächelt. Sie können Auferstehung allenfalls sehr weltlich begreifen – als ein Aufstehen aus bedrückenden Verhältnissen, als Befreiung von Belastungen und Not. Niemand von uns kann den Beweis dafür antreten, dass die Auferstehung viel mehr ist als glückliche Wendungen in unserem irdischen Leben. Das können wir nur im Vertrauen auf Gott glauben. Paulus schreibt auch nichts von einer Auferstehung im Sinn eines automatisch ablaufenden Prozesses, sondern von „Auferweckung“. Etwas außerhalb von uns sorgt dafür, dass wir auf eine andere Daseinsstufe gehoben werden. Für uns ist das Gott, die Kraft, die uns ins Leben gebracht hat, die uns im Leben trägt und die uns auch im Tod nicht loslässt. Wie das im Einzelnen geschehen könnte, das lässt sich nicht vorstellen und beschreiben. Aber wenn schon Menschen in ihrem Leben aus widrigen Verhältnissen aufstehen können, sollte es dann nicht möglich sein, nach dem Tod in ein ganz neues Sein zu gelangen?!

Zu Ostern spielt das Licht als Symbol für diese Hoffnung eine große Rolle. Die Feiern der Osternacht oder die Auferstehungsandachten beginnen im Dunkel der Nacht und enden nach Sonnenaufgang. Es werden Osterfeuer entfacht und daran die Osterkerzen entzündet. Weiß, die Farbe des Lichtes, ist zur Christusfarbe geworden. Sie begegnet uns zu allen Christusfesten (Ostern, Weihnachten, Himmelfahrt usw.) in unseren Kirchen und erscheint uns in den brennenden Kerzen des Altars.

Ich wünsche uns allen, dass wir dieses Licht der Hoffnung immer wieder in unserem Leben sehen und dass wir voller Vertrauen dem ewigen Licht entgegengehen!

 

Es grüßt Sie herzlich,

 

 

Ihr Pfarrer Thomas Böttrich